Schmerzerkennung beim Hund

Als Tierärzte genauso wie als Besitzer stellen wir uns immer die Frage, hat mein Tier Schmerzen? Die Tatsache, dass Tiere sich nicht verbal äußern können, stellt keine Einschränkung ihres Schmerzempfindens dar. Jeder Schmerz wird von deinem Hund wahr genommen und er zeigt eine Reaktion meist nur durch eine kleine Verhaltensänderung. Von chronischem Schmerz spricht man, wenn der Schmerz zur sensorischen Entwicklung wird und begleitende Entzündungen oder Veränderung im Nervensystem verursacht.

Wie verhält sich ein Hund der Schmerzen hat?

Bei einem akutem Schmerz hört man Hunde oftmals schreien oder jaulen. Das ist aber deutlich seltener, als der schleichend einsetzende oder der chronische Schmerz. Kommt der Schmerz aus einer Gliedmaße, dann erkennt man oft eine Schonhaltung. Zittern, häufiges belecken und knabbern bestimmter Körperstellen. Weicht dein Hund aus bei Berührung oder zeigt er Aggressivität? Zieht er sich häufiger als gewohnt oder plötzlich vermehrt zurück? Atmet er schneller oder hechelt mehr? Frisst er sein Fressen noch? Alle diese Fragen können als Hilfestellung bei der Beurteilung des Allgemeinbefindens deines Hundes sein.

Wie sieht ein Hund aus der Schmerzen hat?

Ein gesenkter Kopf und hängende Ohren sind oft das typische Schmerzgesicht des Hundes. Je nachdem  wo der Schmerz ist, kann der Hund einen hochgezogenen, verspannten Bauch haben, die Rückenmuskulatur kann verhärtet sein und die Rute ist eingeklemmt. Das Aufstehen fällt ihnen schwer und sie stehen oft steif da. Generell zeigen sie einen ängstlichen, bzw. traurigen Gesichtsausdruck.

 

Die Schmerzäußerungen beim Hund sind vielfältig und oft sehr subtil. Gut zu wissen ist auch, dass es gewisse Anzeichen gibt, die auf Schmerzen hindeuten können, aber auch schon erste Symptome einer Erkrankung sein können. Zum Beispiel kann starkes Speicheln beim Hund Zeichen für Fremdkörper oder Übelkeit sein, aber auch für Unwohlsein und eben Schmerz. Fällt dir bei deinem Hund ein Verhalten auf, dass dich stutzig macht oder dich verunsichert, solltest du deinen Tierarzt aufsuchen. Auf keinen Fall solltest du deinen Hund selbst therapieren. Viele Schmerzmittel die für den Menschen sind, führen beim Hund zu Vergiftungen. Es gibt mittlerweile auch für Hunde die verschiedensten Schmerzmittel für die unterschiedlichen Erkrankungen, deshalb ist eine Selbstmedikation oftmals sinnlos und führt auch nicht unbedingt zu einer langfristigen Besserung.

 

Dr.med.vet. Karin Palmer

Tierärztin

Appetitlosigkeit – wenn der Hund nicht frisst

Aus vielen Gründen kann es dazu kommen, dass der Hund nicht wie gewohnt frisst oder sogar das Fressen verweigert. Nicht jede Ursache ist bedenklich. Wichtig ist trotzdem, dass der Hund jederzeit ausreichend Zugang zu frischen Wasser hat. Sollten jedoch weitere Symptome, wie Erbrechen, Durchfall, Mattigkeit, blasse Schleimhäute, Fieber, etc., hinzu kommen, dann ist es notwendig einen Tierarzt aufzusuchen.

 

Folgend eine Aufzählung möglicher Ursachen

  • Psychische Ursachen: Manche Hunde sind sehr sensibel, sodass beispielsweise die Abwesenheit der Bezugsperson einen erhöhten Trennungsstress verursacht. Dadurch kommt es oft auch zur Appetitlosigkeit. Weitere Auslöser: Stress (Umzug, laute Musik, etc.), Pubertät, Läufigkeit, Scheinträchtigkeit 

 

  • Medizinische Ursachen: Vor allem wenn weitere Symptome wie Fieber oder Erbrechen zur Appetitlosigkeit hinzu kommen, dann kann der Grund durchaus schwerwiegender sein. Daher ist hier ein Tierarztbesuch angeraten.

Mögliche Ursachen sind: Verdauungsproblem, hormonelle Dysfunktionen (bspw. Schilddrüsenfehlfunktion), Organerkrankungen (bspw. Niereninsuffizienz), Fremdkörper im Magen oder Darm (bspw. Ball, Maiskolben,etc.), Vergiftungen, Probleme in der Maulhöhle (bspw. Zahnschmerzen, Entzündungen)

 

  • Zunehmendes Alter: Es kommt durchaus vor, dass Hunde fortgeschrittenen Alters eine verminderte Geruchsempfindung haben. Daher können sie das Futter schlechter riechen und möchten es dann nicht fressen. Hierbei kann helfen das Futter zu erwärmen, damit die Geruchsstoffe verstärkt freigesetzt werden.

 

  • Wetterbedingte Appetitlosigkeit: Vor allem zu heißes Wetter sorgt dafür dass Hunde weniger Hunger haben. Vor allem bei hohen Temperaturen ist es dringend notwendig ausreichend frisches Wasser zur Verfügung zu stellen.

 

  • Zahnwechsel: Jungen Hunden steh der Zahnwechsel ab ca. dem 4. Lebensmonat bevor. Auch wenn manchen Hunden nichts anzumerken ist kann es bei einigen Welpen, die sonst recht gefräßig sind, dazu kommen, dass das Futter nicht mehr angerührt wird. Manchmal hilft es das Futter etwas in Wasser einzuweichen um eine weichere Konsistenz zum leichteren Kauen zu erwirken.

 

  • Futter ad libitum: Wenn dem Hund sein gefüllter Napf den ganzen Tag zur Verfügung steht, dann kann es sein, dass er sich das Futter gut einteilt und dadurch nur frisst wenn er Hunger hat. Sollte einer oder mehrere Familienmitglieder immer wieder zwischendurch versucht sein Leckerlis oder Tischreste zu verfüttern, dann kann das auch ein Grund sein wieso der Hund sein eigenes Fressen nicht mehr anrührt.

 

  • Mäkeliges Fressverhalten: Egal, ob das mäkelige Fressverhalten vielleicht mehr oder weniger aus versehen antrainiert wurde, kann es häufig zur Verzweiflung vom Besitzer führen.

 

Tipps um dem Verhalten entgegen zu wirken:

  • Futternapf nicht herumstehen lassen: selbst wenn der Hund nicht aufgefressen hat wird der Napf kommentarlos weggestellt und später erneut angeboten.
  • Den Hund immer in Ruhe fressen lassen
  • Kein ständiger Futterwechsel und keine Tischreste: dadurch lernt der Hund erst gar nicht, dass er wählerisch sein kann
  • Leckerlis vermeiden: dadurch soll auch der Bettelversuch des Hundes eingestellt werden, sodass er sich nicht an den Leckerlis satt fressen kann
  • Futterakzeptanz erhöhen: bspw. durch das Erwärmen des Futters steigt der Geruch und wirkt leckerer für den Hund

 

Dr. Catherine Scherm

MRCVS, Kleintierärztin

 

Krallen schneiden: Ja oder Nein?

Hunde, die sehr aktiv sind und zum Beispiel viel laufen oder buddeln, nutzen sich ihre Krallen regelmäßig ab. Ältere Hunde oder Hunde, die nicht so aktiv sind und mehr auf dem Arm ihrer Besitzer leben, als auf dem Boden, müssen in der Regel die Krallen gekürzt bekommen.

Werden die Krallen zu lang, kann das das ganze Gangbild des Hundes verändern und so Auswirkungen auf den Bewegungsapparats haben. Ein falsches Abrollen der Zehe kann zu Schmerzen führen, zudem können sich Hunde beim Kratzen selbst verletzen. Manchmal wachsen Krallen auch ein.

 

Wann und wie sollten die Krallen gekürzt werden?

In der Regel gilt: Berühren die Krallen deines Hundes beim Stehen den Boden sind sie zu lang und müssen geschnitten werden. Es gibt spezielle Krallenscheren, diese haben eine runde Schnittfläche, um gleichmäßigen Druck auszuüben. Du solltest das Pfotehalten ein paar mal üben und belohnen. Viele Hunde lassen sich nicht gerne an den Pfoten anfassen, viele sind kitzelig, deshalb sind Wiederholungen dieser Übungen sehr wichtig. Wenn dein Hund sich daran gewöhnt hat, halte die Pfote des Hundes gut mit einer Hand fest und setzen sie die Kallenschere mit der anderen Hand an einer Kralle an. Achte darauf, nicht zu viel auf einmal wegzuschneiden. Sind die Krallen hell, kann man die Blutgefäße gut sehen, bei dunklen Krallen wird das schwieriger. Fühlst du dich in dieser Situation nicht wohl, bitte deinen Tierarzt das Krallenschneiden zu übernehmen.

 

Was ist die sogenannte Wolfskralle?

Manche Hunderassen besitzen eine Wolfskralle oder Afterkralle, an der Innenseite der Hinterläufe. Das Pendant beim Menschen wäre der große Zeh. Die Wolfskralle hat keine Funktion und muss gerade deswegen besonders gepflegt werden. Beim Rennen durch den Wald oder losen Untergrund können sich Stöcke und Äste unter die Kralle setzen und Schmerzen verursachen. Diese Kralle sollte auf jeden Fall regelmäßig geschnitten werden, weil sie sonst einwachsen kann. Das Entfernen der Wolfskralle ist in Deutschland laut Tierschutzgesetz verboten.

Dr.med.vet. Karin Palmer

Tierärztin

Scheinträchtigkeit

Meist klingen die Symptome von selber ab, sodass keine tierärztliche Behandlung notwendig ist.

Scheinträchtigkeiten können bei allen Hündinnen auftreten. Häufig muss man sich darauf einstellen, dass bei den nachfolgenden Läufigkeiten wieder Symptome auftreten.

Wichtig ist zu wissen, dass eine Scheinträchtigkeit ein natürlicher Vorgang ist und kein krankhafter Prozess.

Symptome die auf eine Scheinträchtigkeit hinweisen

Die Ausprägung der Symptome variiert von Hündin zu Hündin. Neben körperlichen Veränderungen können auch Veränderungen im Verhalten beobachtet werden.

  • Körperliche Veränderungen:

geschwollenes Gesäuge/Zitzen, warmes Gesäuge, Milchproduktion, vergrößerter Bauchumfang, Druckschmerz am Gesäuge löst Leckverhalten aus

  • Veränderungen im Verhalten:

Lustlosigkeit (manchmal sogar depressiv), erhöhte Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Nestbauverhalten, vermehrt anhänglich, Spielzeuge/Hausschuhe/etc. Werden zum Nest getragen und ‘beschützt’ (bewacht und verteidigt), aggressives Verhalten (oft bei anderen Hündinnen)

Maßnahmen bei einer Scheinträchtigkeit

  • Trächtigkeit ausschließen:

Sollte man sich nicht sicher sein sollte man beim Tierarzt abklären lassen, ob eine tatsächliche Trächtigkeit vorliegt.

  • Lecken verhindern:

Da die Hündinnen dazu neigen, dem Druckschmerz am Gesäuge mit Lecken entgegen zu wirken ist es wichtig sie davon abzuhalten. Ansonsten kann es zur Beschädigung der Hautbarriere und dadurch zu Entzündungen kommen. Als Leckschutz eignen sich T-Shirts, Bodys oder auch Halskragen.

  • Zitzen ruhen lassen:

Auf keinen Fall sollte die Milch aus den Zitzen gedrückt werden, denn dadurch wird die Milchproduktion angeregt. Daher sollte man das Gesäuge in Ruhe lassen.

  • Vermehrtes Ablenken:

Durch lange Spaziergänge oder ausgiebiges Spielen kann man versuchen die Hündin ab zu lenken. Je nach Ausprägung der Symptome ist das manchmal nicht machbar. Vielleicht hilft dann ein gut gefüllter Kong für etwas Abwechslung.

  • Spielzeug wegräumen:

Da das Spielzeug häufig als Welpenersatz von der Hündin genommen wird, hilft es das Spielzeug nicht herumliegen zu lassen. Dem Spielen selber steht nichts im Wege, nur verhindert das Herumliegen weiteren Stress für die Hündin ihre ‘Welpen’ wieder einsammeln zu müssen.

  • Aggressives Verhalten:

Bei aggressiven Verhalten ist es wichtig ein geeignetes Training zu starten bevor das Verhalten aus dem Ruder gerät. Hierzu kann man sich Rat beim Tierarzt oder beim Hundetrainer holen.

Wann muss der Tierarzt doch noch besucht werden?

  • Versorgung von Symptomen:

Sobald das Gesäuge vermehrt warm, gerötet, knotig wirkt oder blutig/eitriges Milchsekret aus den Zitzen kommt sollte der Tierarzt aufgesucht werden. Diese Anzeichen sind Hinweise auf eine Gesäuge-Entzündung, eine sogenannte Mastitis.

  • Medikamentöse Therapie:

Sollte die Hündin zu stark an den Symptomen ihrer Scheinträchtigkeit leiden (tiefe Depression, starke Aggressivität, etc.) kann es zum Einsatz von Prolaktin-Hemmern kommen. Diese werden ausschließen nach Absprache mit dem Tierarzt verabreicht. Die Behandlung mit homöopathischen Mitteln ist wissenschaftlich nicht bewiesen.

  • Kastration:

In individuellen Fällen kann man sich für eine Kastration entscheiden. Hierbei berät der Tierarzt im vornherein über die Vor- und Nachteile. Eine Kastration sollte erst in der hormonellen Ruhephase, dem Anöstrus, stattfinden.

Dr. Catherine Scherm

MRCVS, Kleintierärztin

Juckreiz

Sobald auffällig mehr Kratzen stattfindet oder der Hund kahle und/oder blutige Stellen, schuppiges Fell oder eitrige Hot spots aufweist sollte der Juckreiz untersucht werden. Da es viele Gründe für Juckreiz gibt ist es wichtig abklären zu lassen was genau der Auslöser ist. Auch hier ist es wichtig die Ursache zu beheben und nicht eine (teilweise teure und langwierige) Therapie des Symptoms zu starten.

Mögliche Ursachen für Juckreiz könnten sein:

  • Parasitenbefall (bspw. Flöhe oder Milben)
  • Insektenstich
  • bakterielle Dermatitis (Hot spot)
  • Unverträglichkeiten (Umwelt- oder Futtermittelallergien)
  • Pilzinfektionen
  • hormonelle Dysfunktionen
  • Fehlernährung
  • Stressabbau
  • mangelnde Fellpflege (entzündete Haut unter verfilztem Fell)
  • Otitis → Kratzen findet vermehrt um das Ohr statt

 

Diagnostik und Behandlung

 

In manchen Fällen kann ein Grund ersichtlich sein bspw. bei einem Flohbefall. Sollte die Ursache nicht identifiziert werden können, dann sollte man einen Tierarzt aufsuchen. Bei der Anamnese sind einige Fragen essentiell: gab es bereits ein Problem mit Juckreiz in der Vergangenheit? An welchen Stellen wird sich gekratzt? Wie häufig am Tag? Saisonal bedingt? Gibt es andere Tiere im Haushalt oder der näheren Umgebung (bspw. Hundeschule) mit den gleichen Symptomen?

Zu den Symptomen gehören neben Juckreiz unter anderem auch Beißen der Pfoten, Lecken oder Beknabbern von betroffenen Hautarealen, kahle Stellen, verfärbte und/oder entzündete Hautstellen, Hot spots, schuppige Haut und unangenehmer Geruch von Haut/Fell.

Je nach Verdachtsdiagnose kann der Tierarzt verschiedene Tests durchführen (bspw. Woodsche Lampe, Pilzkultur, Flohkamm, Blutuntersuchung, etc.). Je nach Ergebnis kommt es zu einer entsprechenden Behandlung. Manchmal ist ein Ausschlussverfahren notwendig und resultiert in einer Ausschlussdiät um eventuelle Futtermittelunverträglichkeiten heraus zu finden.

 

Vorbeugende Maßnahmen gegen Juckreiz

  • Parasitenprophylaxe
  • Unnötiges Baden vermeiden, um die Hautbarriere aufrecht zu erhalten
  • regelmäßige Fellpflege
  • regelmäßige Reinigung des Liegeplatzes und der Hundedecken
  • Luftbefeuchter bei zu trockener Heizungsluft
  • keine Fütterung von Speiseresten

 

 

Dr. Catherine Scherm

MRCVS, Kleintierärztin

Die Funktion der Haut

Um diese Schutzmaßnahmen aufrecht zu erhalten ist eine gesunde Haut Voraussetzung. Eine gute Pflege und eine gesunde ausgewogene Ernährung sind dafür die Grundbausteine.

Die Struktur von Haut und Fell

Die Haut besteht aus mehreren Hautschichten, die man Einteilen kann in Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Dermis/Corium) und die Unterhaut (Subkutis). Nach Innen schützt die Haut vor Austrocknung, nach Außen vor Umwelteinflüssen (bspw. Mikroorganismen oder chemischen Substanzen).

Darüber liegt das Fell, welches die Haut vor der Witterung (Kälte, Nässe) beschützt und Parasiten fernhalten kann. Man unterscheidet zwischen Deckhaar und Unterwolle (quasi ein extra Kälteschutz), jedoch hat nicht jede Rasse beide Fellstrukturen ausgeprägt. Dies ist abhängig von der Rasse und/oder dem Lebensraum. Eine gute Fellpflege ist daher unumgänglich um die Schutzbarriere aufrecht zu erhalten.

Wodurch kann die Hautbarriere zerstört werden?

Durch Einflüsse von außen kann das Fell einschließlich der Haut Schaden nehmen. Dies passiert  durch Verletzungen (Trauma, Verätzungen, etc.) oder Infektionserregern wie zum Beispiel Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten. Meist gelangen Infektionserreger erst durch die Hautbarriere, wenn sie vorher verletzt und dadurch eine Eintrittspforte geschaffen wurde.

Ein weiterer Einfluss, der sich negativ auf die Hautbarriere auswirkt, kann auch von Innen kommen. Manche Erkrankungen, Allergien und fehlerhafte Fütterung verursachen eine mangelnde Gesundheit und Abwehrfähigkeit der Haut.

Unterstützung einer gesunden Hautbarriere

Neben einer regelmäßigen Fellpflege und einer stetigen Kontrolle der allgemeinen Gesundheit des Hundes kann man die Hautbarriere auch mit einer gesunden und ausgewogenen Fütterung unterstützen.

Ein Nährstoffmangel kann sich schnell negativ auswirken, daher ist eine Zufuhr der wichtigsten Nährstoffe grundlegend. Auch bei Allergikern hilft eine individuell angepasste Fütterung, die entsprechenden Nährstoffe zu zu führen.

Wichtige Nährstoffe sind:

  • Aminosäuren: essentielle Aminosäuren können nicht vom Körper hergestellt werden und müssen daher über die Nahrung zugeführt werden
  • Omega-3-Fettsäuren: diese haben unter anderem eine entzündungshemmende Wirkung, die bei Hautproblematiken hilfreich sein kann
  • Linolsäure: gehört zu den essentiellen Aminosäuren und ist ein wichtiger Bestandteil der Zellmembran. Bei einem Mangel kann es zu verschiedenen Hautveränderungen (bspw. Hautverdickungen) kommen
  • Lutein: fängt als Antioxidans freie Radikale und ist ein Faktor bei dem Erhalt der Hautelastizität
  • Spurenelemente: bspw. Zink wird für viele Stoffwechselvorgänge der Haut benötigt, ein Mangel kann nicht nur Hautveränderungen hervorrufen sondern auch für Wundheilungsstörungen verantwortlich sein. Oder auch Jod und Kupfer, deren Bedarf während des Fellwechsels steigt.
  • Vitamine: Vitamin A ist am Aufbau der Hautoberfläche beteiligt oder Vitamin B, das im gesamten Stoffwechsel der Haut benötigt wird

 

 

Dr. Catherine Scherm

MRCVS, Kleintierärztin

Epilepsie beim Hund

Eine Epilepsie äußert sich durch immer wiederkehrende Krampfanfälle, die durch eine Störung der Gehirnfunktion ausgelöst werden.

Primäre Epilepsie: eine angeboren Krankheit mit Rasseprädispositionen (bspw. Collie, Labrador Retriever).

Sekundäre Epilepsie: ausgelöst meist durch eine Grunderkrankung, häufig kommt es aufgrund von Stoffwechselstörungen (bspw. Leber-/Nierenerkrankungen),Tumore oder Vergiftungen zur Epilepsie.

HundE, die an Epilepsie leiden, reagieren sehr sensibel auf Stress. Hierzu zählt unter anderem starke körperliche Belastung (wie übermäßiges Training), laute Geräusche (wie Feuerwerk) und andere Situationen, die zum Beispiel angstauslösend sind.

 

Ablauf eines epileptischen Anfalls

Jeder Hund reagiert auf eine individuelle Weise bei einem epileptisch Anfall. Manche Hund zeigen deutlich an,wenn ein Anfall bevorsteht andere gar nicht. Dann gibt es welche, die unmittelbar nach dem Anfall wieder auf die Beine kommen während andere Stunden später noch gegen neurologische Ausfallerscheinungen ankämpfen. Folgend ein Beispiel wie es häufig auftritt.

  • Stufe 1: Oft kündigt sich ein Anfall durch (leichte) Veränderungen des Verhaltens an

die Hunde werden Minuten bis Stunden vorher schon unruhig, vermehrtes Speicheln, häufigerer Urinabsatz, zurückziehen in eine ruhige Ecke oder die Nähe des Besitzers suchend

→ immer wieder wird davon geredet, dass die Tiere teilweise ein Aura vor dem epileptischen Anfall haben, so bemerken es auch andere Tiere im Haushalt.

  • Stufe 2: Der eigentliche Anfall beginnt plötzlich

Dabei liegen die Hunde meist auf der Seite und haben steif weg gestreckte Gliedmaßen, sind nicht mehr ansprechbar und/oder verlieren das Bewusstsein. Charakteristisch sind auch Muskelzuckungen sowie Paddelbewegungen in der Luft. Oft wird die Blase und der Darm während des Anfalles entleert. Winselgeräusche können auch auftreten

→ Die Anfälle sollten nach etwa 2 min wieder nachlassen. Lebensbedrohlich wird der Anfall, wenn er länger als 10 min dauert oder die Anfälle so häufig hintereinander auftreten, sodass der Hund das Bewusstsein nicht mehr wieder erlangt.

  • Stufe 3: Der Anfall ist beendet, die Hunde sind noch benommen und/oder erschöpft

Es beginnt eine individuelle Erholungszeit, bei der es zu variierenden Verhalten des Hundes kommen kann (Drangwandern, Sehstörungen, Desorientierung,etc.). Ebenso kann vermehrter Hunger und Durst aufkommen, daher ist die Gefahr der Fremdkörper Aufnahme deutlich erhöht.

Während eines Anfalles sollte man Gegenstände, durch die sich der Hund verletzten könnte, aus dem Weg räumen. Nach dem Anfall sollte der Hund die Möglichkeit haben sich in einem dunklen/abgedunkelten und ruhigen Raum ausruhen zu können.

 

Diagnostik und Therapie

Bei der Diagnostik handelt es sich vor allem um eine Ausschlussdiagnostik. Beginnend mit einer eingehenden Untersuchung und einer Blutuntersuchung um Stoffwechselstörungen/Organerkrankungen etc. Ausschließen zu können. Des Weiteren können Ultraschall und Röntgen zur weiteren Abklärung genutzt werden. Sollte bis jetzt keine Auffälligkeit gefunden worden sein, dann führt der nächste Weg ins MRT/CT, dort kann eine detailliertere Abklärung auch vom Gehirn stattfinden.

Therapien richten sich nach den Ergebnissen der Untersuchung. Stoffwechselstörungen oder andere Erkrankungen können eventuell mit den entsprechenden Medikamenten behandelt werden. Sogenannte idiopatische (=ohne auffindbaren Grund) Epilepsien und bestimmte andere Formen der Epilepsie können mit einem Phenobarbital behandelt werden.

Wenn ein Hund nur ein einmaligen Anfall hat oder gut mit Medikamente eingestellt werden kann dann steht ihnen meist noch ein langes glückliches Leben bevor. Hierbei können die Besitzer gut mithelfen, wenn sie drauf achten dass der Hund eine möglichst stressfrei Umgebung hat.

Dr. Catherine Scherm

MRCVS, Kleintierärztin

 

Befällt das Coronavirus Hunde?

Bei den Meldungen, die zur Zeit über den positiv getesteten Hund in China kursieren, geht man mittlerweile davon aus, dass die Probe entweder durch die an COVID-19 erkrankte Besitzerin verunreinigt wurde oder der Hund Kontakt mit den Viren in seiner Umgebung hatte. Die Anzahl der in der Probe gefundenen Viren ist so gering, dass von einer wirklichen Infektion nicht die Rede sein kann. Hier beantworten wir die Frage ob auch Hunde am neuartigen Coronavirus erkranken können.

 

 

Was für ein Virus ist es?

SARS-CoV-2 ist ein Virus, das zu einer großen Gruppe von Viren gehört, den sogenannten Coronaviridae. Diese verursachen eine große Anzahl von Krankheiten, rufen unterschiedliche Symptome hervor und können eine Vielzahl von Tierarten, darunter auch Hunde, befallen.

 

 

Kann es Hunde und Katzen betreffen?

Normalerweise ist jede Art von Coronavirus spezifisch für eine Tierart. Bei dem SARS-CoV-2 geht man mittlerweile davon aus, dass das ursprüngliche Virus in Fledermäusen und Schuppentieren existierte und erst vor kurzem den Sprung auf den Menschen vollzogen hat. Innerhalb einer Spezies ist die Übertragung bekannt. Allerdings ist es fast auszuschließen, dass ein Virus in so kurzer Zeit den Sprung über mehrere Spezies vollzieht.

 

Beim Hund gibt es die Coronavirusdiarrhö, die durch das canine Coronavirus übertragen wird. In den meisten Fällen äußert sich die Erkrankung durch milde Magen-Darm Symptome, Fieber und Appetitlosigkeit. Es ist ebenfalls sehr ansteckend und befällt meist junge Tiere. Dieser Coronavirus Stamm hat jedoch nichts mit dem neu entdeckten SARS-CoV-2 zu tun.

Zusammenfassend kann man sagen, dass bisher von keiner Übertragung des neuartigen Coronavirus auf unsere Haustiere bekannt ist. Ein normaler hygienischer Umgang wird trotzdem empfohlen.

Dr.med.vet. Karin Palmer

Tierärztin

Osteopathie beim Hund

Dazu werden Techniken benutzt, die mit den Händen ausgeführt werden, sogenannte manuelle Techniken. Sie ist eine ganzheitliche Form der Medizin, da jeder Patient als Individuum angesehen und  in seiner Gesamtheit behandelt wird.

Die Osteopathie basiert auf drei Bestandteilen

  • Die Einheit des Körper: Alle Körpersysteme stehen zusammen in Verbindung und Wechselwirkung, über Gefäße, Nerven, Faszien und vieles mehr. Das macht den Körper zu einer unzertrennbaren Einheit.
  • Beziehung zwischen Struktur und Funktion: In der Osteopathie schaut man dass jedes Organ seine Funktion erfüllen kann, dies ist nur möglich wenn jedes Organ gut durchblutet ist und sich frei bewegen kann. Ist ein Wirbel beispielsweise blockiert, ist unter Umständen das darunter liegende Organ schlecht durchblutet und kann seine Funktion nicht mehr erfüllen und ist somit anfälliger für Krankheiten.
  • Selbstheilung: wie alle ganzheitlichen Heilmethoden geht auch die Ostepathie davon aus, dass der Körper über alle notwendigen Mitteln zur Selbstheilung verfügt. Werden Bewegungseinschränkungen gelöst, kann der Stoffaustausch wieder ungestört funktionieren und das Gleichgewicht wieder hergestellt werden.

Wann zum Osteopathen?

Prinzipiell kann man auch schon zum allgemeinen Wohlbefinden regelmäßig zum Osteopathen (1-2 mal im Jahr). Beim Hund können jedoch auch verschiedene Probleme des Bewegungsapparates  durch eine osteopathische Behandlung verbessert werden. Hierzu gehören:

  • Bewegungsunlust
  • Gangbildveränderungen
  • Unklare Lahmheiten (nach tiermedizinischer Abklärung!)
  • Neurologische Störungen
  • Probleme beim Treppensteigen oder dem Sprung ins Auto
  • Rückenschmerzen

Die Osteopathie kann auch unterstützen bei Problemen wie Harnträufeln, Analbeutelentzündungen, Ohrenentzündungen oder dauerndes Pfotenlecken.

 

Wichtig ist immer ein gesunder Blick auf das jeweilige Problem des Hundes. Bei offensichtlichen Schmerz- und Entzündungsvorgängen oder mechanischen Störungen ist eine Behandlung beim Tierarzt unumgänglich. Es gibt jedoch viele Erkrankungen bei denen osteopathische Methoden unterstützend angewendet werden können.

Gerade wenn die Schulmedizin ausgereizt ist und an ihre Grenzen kommt, ist es doch nochmals ein Versuch wert, diese Therapieansätze zu verfolgen.

 

Dr.med.vet. Karin Palmer

Tierärztin

Warum leckt sich mein Hund die Pfoten?

Hunde lecken sich die Pfoten aus vielerlei Gründen. In erster Linie ist es etwas ganz Normales und dient der allgemeinen Pflege.

Aber auch Juckreiz, Schmerzen an der Pfote oder Verhaltensprobleme können dahinter stecken. Leckt ein Hund seine Pfoten aus Langeweile oder Angst, kann dies auch ursächlich für weitere Entzündungen der Haut sein, weil dadurch die Hautschutzbarriere zerstört wird. So entsteht schnell ein Teufelskreis.

Eine Entzündung der Haut an den Pfoten ist häufig und geht mit starkem Juckreiz einher. Beim Tierarzt muss zunächst die Ursache abgeklärt werden um dann eine Therapie einzuleiten. Mögliche Ursachen:

Hefepilze (Malassezien)

Hefepilze sind prinzipiell auf jeder Haut zu finden und die meisten Hunde leben ohne Probleme damit. Ist die Hautbarriere jedoch geschädigt durch weitere Erkrankungen wie z.B. Allergien oder Hormonstörungen, vermehren sich die Hefepilze und es kommt zum Juckreiz.

Allergien

Eine Kontaktallergie führt oft zu Juckreiz an den Pfoten. In der Wohnung können dies chemikalienhaltige Putzmittel sein, draußen können Streusalz oder saisonale Pollen ursächlich sein.

Milbenbefall

Die Demodexmilbe lebt in Talgdrüsen und Haarfollikeln der Haut und verursacht dort das Krankheitsbild der sogenannten Demodikose. Die Symptome sind Juckreiz aber auch Haarverlust und Hautrötungen kommen vor. Es kann auch generalisiert am ganzen Körper vorkommen. Zu Grunde liegt oftmals ein immunsuppressives Geschehen, weshalb auch hormonelle Störungen abgeklärt werden sollten.

Zwischenzehenabszesse

Durch Stellungsanomalien der Pfoten können Haarfollikel einwachsen und es kann zu einer schmerzhaften Entzündung des gesamten Zwischenzehenbereichs kommen. Aufgrund der Schmerzhaftigkeit geht dieses Krankheitsbild oft mit einer Lahmheit einher.

Fremdkörper

Gerade wenn das Lecken akut und nur an einer Pfote auftritt sollte man auch mal an einen Fremdkörper denken, wie zB. Getreidegrannen oder Glassplitter.

Psyche

Wenn die Pfoten jucken, ist der einzige Ausweg für den Hund das Lecken. Der Speichel lindert den Juckreiz und kühlt gleichzeitig die Haut, sodass der Hund dies als positiv abspeichert. Daraus kann sich auch eine Verhaltensstörung entwickeln, und das Lecken geht weiter, obwohl der Juckreiz schon abgeklungen ist. Vor allem bei sensiblen, ängstlichen,  gelangweilten oder nicht ausgelasteten Hunden kann man dies häufig beobachten. Hier ist gezieltes Training wichtig um diesem Verhaltensmuster entgegenzuwirken.

Dr.med.vet. Karin Palmer

Tierärztin